Cosmea Pflege Rhein-Erft
Wie Cosmea Pflege nachhaltiges Wachstum gestaltet
22.07.2026
Wie lässt sich eine Gruppe ambulanter Pflegedienste nachhaltig aufbauen – in einem Markt, der von wachsendem Versorgungsbedarf, steigenden Anforderungen und zahlreichen regionalen Anbietern geprägt ist?
Darüber hat Tomas Aubell, CEO von Cosmea Pflege, mit dem internationalen Branchenmedium Healthcare Business International gesprochen. Im Interview erläutert er, warum Cosmea Pflege nicht auf Wachstum um jeden Preis setzt, sondern auf regionale Stärke, eine sorgfältige Integration und verlässliche gemeinsame Strukturen.m Mittelpunkt stehen dabei drei zentrale Voraussetzungen für eine langfristig erfolgreiche Entwicklung: eine hohe Pflegequalität, die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden sowie die konsequente Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Tomas Aubell beschreibt außerdem, wie zentrale Fachbereiche, einheitliche Systeme und digitale Prozesse die Teams vor Ort entlasten und ihnen mehr Freiraum für die Versorgung von Patientinnen, Patienten und Pflegebedürftigen geben können.
Der folgende Beitrag ist eine deutsche Übersetzung des am 22. Juli 2026 veröffentlichten englischsprachigen Interviews.
Zum englischen Originalartikel bei Healthcare Business International
Der Markt wächst langfristig, bleibt aber anspruchsvoll: Cosmea Pflege setzt auf regionale Dichte, konsequente Integration und Strukturen, die gute Pflege ermöglichen.
Quelle: Healthcare Business International, Hemani Vipul Sheth, 22. Juli 2026

Der deutsche Markt für ambulante Pflege ist stark fragmentiert. Rund 15.000 Anbieter stehen für eine kleinteilige Versorgungslandschaft, in der viele Unternehmen regional verwurzelt sind. Gleichzeitig sorgt die alternde Bevölkerung für einen dauerhaft steigenden Pflegebedarf. Dieser grundsätzlich positive Nachfragefaktor trifft jedoch auf spürbare Belastungen: höhere Löhne, Veränderungen bei Vergütung und Refinanzierung sowie die begrenzte finanzielle Tragfähigkeit vieler Pflegebedürftiger und ihrer Familien.
Vor diesem Hintergrund hat Healthcare Business International mit Tomas Aubell, CEO von Cosmea Pflege, über die Strategie der Gruppe gesprochen. Cosmea Pflege bündelt ambulante Dienste und ergänzende Angebote wie Tagespflege, Unterstützung im Haushalt sowie Teilhabe- und Betreuungsleistungen für Kinder. Zum Zeitpunkt des Interviews umfasst die Gruppe rund 25 operative Einheiten in sechs Bundesländern und erzielt einen Jahresumsatz von nahezu 40 Millionen Euro.
Cosmea Pflege begann 2019 mit dem Erwerb von Pflegediensten. Nach einer ersten Wachstumsphase wurde das Akquisitionstempo bewusst reduziert. Im Vordergrund stand die Integration der hinzugekommenen Unternehmen, die Weiterentwicklung des Betriebsmodells und der Aufbau belastbarer Strukturen. Diese Konsolidierungsphase führte zu einer deutlich stärkeren finanziellen Position: geringe Verschuldung, positive Liquidität und organisches Wachstum in den einzelnen Einheiten.
Der ambulante Pflegemarkt war für Cosmea im Vergleich zu anderen Bereichen des Gesundheitswesens auch deshalb interessant, weil die Kaufpreise weniger stark von investorengetriebenen Übernahmen geprägt waren. Anders als bei assetlastigen Geschäftsmodellen liegt der Wert eines Pflegedienstes vor allem in den Menschen, ihrem Wissen, ihren Beziehungen und der täglichen Zusammenarbeit. Genau das macht Integration anspruchsvoll und verlangt ein langfristiges unternehmerisches Verständnis.
Mit einem bundesweiten Marktanteil von ungefähr 0,1 Prozent ist Cosmea Pflege trotz seiner Größe weiterhin ein kleiner Teil eines sehr großen Marktes. Die strategische Antwort darauf ist nicht, möglichst schnell überall vertreten zu sein. Entscheidend ist vielmehr, in den bestehenden Teilregionen dichter und stärker zu werden – mit dem Ziel, dort perspektivisch relevante Marktanteile und belastbare Netzwerke aufzubauen.
Übernahmen in der Nähe bestehender Standorte schaffen deutlich mehr Synergien als weit entfernte Einzelakquisitionen. Teams, Fachwissen, Führung und administrative Unterstützung lassen sich regional besser verbinden. Als geeignete Partner betrachtet Cosmea vor allem kleine bis mittelgroße Pflegedienste mit etwa einer bis drei Millionen Euro Jahresumsatz: groß genug für professionelle Grundstrukturen und zugleich überschaubar genug für eine sorgfältige Integration.
Für das laufende Jahr sieht die Planung Akquisitionen in einer Größenordnung von rund zehn Millionen Euro vor. Der entscheidende Engpass ist dabei nicht das verfügbare Kapital, sondern die Fähigkeit, neue Unternehmen verantwortungsvoll zu integrieren. Das Wachstumstempo soll sich deshalb daran orientieren, was die Organisation in hoher Qualität aufnehmen und gemeinsam weiterentwickeln kann.
Das Betriebsmodell richtet sich an drei Kernzielen aus: einer verlässlichen Pflegequalität, der Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden sowie der konsequenten Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Der demografische Wandel verschärft nicht nur den Pflegebedarf, sondern auch den Wettbewerb um qualifizierte Fach- und Betreuungskräfte. Eine wachsende Pflegegruppe muss deshalb ein Arbeitsumfeld schaffen, in dem Menschen bewusst und gerne arbeiten möchten.
Zugleich steigt die organisatorische Komplexität. Arbeitsschutz, Datenschutz, Berichtspflichten und unterschiedliche landes- oder kostenträgerspezifische Regeln müssen zuverlässig erfüllt werden, ohne die Wirtschaftlichkeit aus dem Blick zu verlieren. Diese Anforderungen sind ein wesentlicher Grund dafür, dass Cosmea Pflege seine Entwicklung zunächst auf Deutschland konzentriert. Schon die Unterschiede zwischen Bundesländern, Vergütungssystemen und Gehaltsstrukturen erfordern erhebliche Aufmerksamkeit. Eine internationale Expansion würde zusätzliche Komplexität schaffen, für die zunächst eine deutlich größere Skalierung nötig wäre.
Ein wichtiger Baustein des Cosmea-Modells ist die Bündelung administrativer Aufgaben. Finanzen, Personal, IT, Recruiting, Buchhaltung, gesetzliches Berichtswesen und Marketing werden zentral organisiert, statt diese Funktionen in jedem einzelnen Pflegedienst vollständig vorzuhalten. Dadurch können spezialisierte Teams mehrere Gesellschaften unterstützen und einheitliche Qualitäts- und Transparenzstandards sichern.
Die interne Erbringung dieser Leistungen ist nach Darstellung von Tomas Aubell nicht nur passgenauer, sondern kann gegenüber dem Einkauf externer Dienstleistungen auch steuerliche Mehrbelastungen vermeiden. Vor allem aber entstehen Systeme, die genau auf die Anforderungen der Gruppe zugeschnitten sind. Digitale Abläufe automatisieren beispielsweise Rechnungsfreigaben, Zahlungen und Berichte. So kann eine schlanke Zentralorganisation mehrere rechtliche Einheiten unterstützen.
Dabei entwickeln sich auch die Aufgaben der Mitarbeitenden weiter. Aus eng umrissenen administrativen Tätigkeiten können breitere Verantwortungsbereiche entstehen – etwa bei Jahresabschlüssen, im Forderungsmanagement oder in der Betreuung mehrerer Gesellschaften. Einheitliche Software unterstützt diese Entwicklung, weil sie Arbeitsprozesse strukturiert und gruppenweit nachvollziehbar macht.
Neu erworbene Unternehmen werden auf die Plattform, die Systeme und die Marke von Cosmea Pflege überführt. Diese Veränderung wird bereits vor einer Übernahme offen angesprochen. Für Cosmea ist ein bestimmtes Maß an Standardisierung unverzichtbar, wenn Kosten, Qualität und Leistung über eine wachsende Gruppe hinweg steuerbar und transparent bleiben sollen.
Die Digitalisierung des Backoffice wird deshalb kontinuierlich ausgebaut. Automatisierung und künstliche Intelligenz sollen jedoch nicht Pflegekräfte ersetzen. Ihr sinnvoller Einsatz liegt dort, wo administrative Arbeit reduziert wird und Mitarbeitende mehr Zeit für Patientinnen, Patienten und Pflegebedürftige gewinnen.
Trotz der günstigen demografischen Grundtendenz ist der Markt in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Höhere Vergütungen sollten den deutlichen Anstieg der Löhne ausgleichen. Gleichzeitig wurden die Leistungen der Pflegeversicherung für viele Betroffene nicht im gleichen Umfang ausgeweitet. Damit wächst zwar der Bedarf, doch nicht alle Menschen können weiterhin dieselbe Menge professioneller Leistungen in Anspruch nehmen.
Tomas Aubell erwartet daher keine explosionsartige Marktentwicklung, sondern eher ein stetiges Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Dieses dürfte sich aus moderaten Mengensteigerungen und Inflation zusammensetzen. Für Anbieter bedeutet das: Demografie allein garantiert keinen einfachen Wachstumspfad. Wirtschaftlichkeit, Effizienz und eine kluge regionale Positionierung bleiben entscheidend.
Langfristig bleibt der Ausblick dennoch positiv. Der grundlegende Bedarf an ambulanter Pflege ist intakt, und die starke Fragmentierung des deutschen Marktes eröffnet weiterhin Möglichkeiten für Konsolidierung. Erfolgreich kann sie allerdings nur sein, wenn sie über das reine Zusammenstellen eines Beteiligungsportfolios hinausgeht.
Nach Einschätzung von Tomas Aubell brauchen wachsende Pflegegruppen eine gemeinsame Kultur, ein klares Betriebsmodell und starke Führung. Fehlen diese Elemente, wird es schwierig, Qualität über viele Standorte hinweg dauerhaft zu sichern. Die zentrale Botschaft des Interviews lautet deshalb: Nachhaltiges Wachstum in der Pflege entsteht nicht allein durch Übernahmen, sondern durch konsequente Integration, verlässliche Strukturen und die tägliche Arbeit der Menschen, die Pflege und Unterstützung leisten.
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